Mittwoch, 7. oktober 2009 3 07 /10 /2009 13:58
Heute beim Mittagessen ist mir aufgefallen, dass ich weiter esse, obwohl ich eigentlich satt bin. Als ich mir das näher ansah bemerkte ich, dass es einen Teil von mir gibt, der nie genug hat. Nach dem Essen zog ich mich zurück und nahm mir Zeit für mich. Ich begann diesen Anteil in mir zu fühlen. Diesen Anteil, der nie genug Liebe bekommen hat. Der nie genug Sicherheit und Geborgenheit für sich hatte. Auf einmal sah ich ein schreiendes Baby vor mir. Und auf einmal wurde mir klar: jedesmal wenn ich dieses Baby schreien hörte gab ich ihm etwas zu essen, im Versuch es zu beruhigen. Mir ist auch aufgefallen, dass ich oft Musik hörte, wenn sich dieses schreiendes Baby bemerkbar macht - so dass ich seine Schreie gar nicht erst hören musste. Das war meine ganz persönliche Art und Weise, mit diesem schreienden Baby umzugehen, etwas anderes kannte ich bisher nicht.

Heute jedoch konnte ich zum ersten Mal ganz anders mit diesem schreienden Baby umgehen. Ich setzte mich auf's Bett und nahm meinen neulich gekauften Waschbären in die Arme. Ich hielt ihn einfach fest (symbolisch für mein schreiendes Baby) und begann mit ihm zu reden. Ich sagte ihm, dass ich ihn einfach halten werde, ihn in meine Arme nehme und für ihn da bin. Ich begann meinen Waschbären zu streicheln und ich spürte, wie ich in Wirklichkeit meinen hungrigen, schreienden Anteil in mir streichelte.
Als ich so da sass und dies tat, merkte ich, wei ich immer weicher wurde. Ich begann mich zu entspannen und nach einer Weile legte ich mich hin, den Waschbär in meinen Armen haltend. Ich war einfach nur für mich und diesen verletzten, traurigen Anteil in mir da. Meine Muskeln begannen sich zu entspannen und ich merkte, wie ich wieder etwas mehr in meinem Körper ankam.
Ich spürte, dass dies der allererste Anteil von mir war, der hier in meinem Körper ankam. Es war der Anteil, der so viel Härte und Grausamkeit begegnet ist, dass er sich erschrocken zurück zog.

Ein weiterer Anteil kam zum Vorschein. Ein Anteil der glaubt er habe etwas falsch gemacht, weil er nie genügend Liebe bekommen hat. Ich hab auch diesen Anteil ganz liebevoll im Arm gehalten und ihm gesagt, dass er nichts falsch gemacht hat. Ich erklärte ihm, dass meine Eltern selbst nie genügend Liebe für sich hatten und so auch nie genügend Liebe weitergeben konnten. Ich sagte diesem Anteil, dass ich ihn nun diese Liebe schenken werde. Ich hielt ihn noch eine Weile in meinen Armen, so dass er sich etwas beruhigen konnte.

Ich habe heute gemerkt, wieviel Geduld, Liebe und Einfühlungsvermögen ich für diese Anteile brauche. Es ist wichtig für sie, denn nur so kommen sie zum Vorschein, können heilen und wieder eins werden mit mir. Es war eine wundervolle Erfahrung für mich. 

- veröffentlicht in: Liebevoller mit mir umgehen
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  • Blog von Nicole Mändli
  • : Ich bin verheiratet, Mutter von einem Sohn und schreibe sehr gerne... wie ihr ja sicher schon bemerkt habt.

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